Interrail Sommer 2009 – Woche 2

Im Juli und August 2009 war ich 3 Wochen lang mit Interrail unterwegs. Die Reise führte mich nach Florenz, Pisa, Venedig, Mailand, Cannes, Nîmes, Cerbère, Latour-de-Carol, Bordeaux, Arcachon, Biarritz, Lissabon, Cascais, Estoril, Sintra und dann via Paris zurück.

Tagebuch und Erinnerung in mehreren Teilen. Heute fahren wir von Cannes bis fast nach Lissabon! ^^

Tag 7 / Sonntag, 02.08.2009 / Cannes

Ich wartete also bis Christine vom Feiern zurück kommt … Ich habe schlussendlich bis 3 Uhr gewartet, mir also ganze 4 Stunden um die Ohren geschlagen!

Am Mittag treffe ich mich mit 2 Kolleginnen, die letztes Jahr auch hier im Sprachaufenthalt waren. Sie erzählen mir unglaubliche Geschichten: Einer, der 1000 statt 50 Euro Eintritt hinlegt, damit er nicht Schlange stehen muss; 50 Cent, der in der Lounge nebenan sitzt; 50 Cent, mit dem sie Champagner trinken; Typen, die sie auf ihre Yacht einladen und so weiter…

Den Nachmittag verbringen wir im Liegestuhl am Privatstrand, inkl. Mojito für 11 Euro. Naja, das ist Cannes.

Tag 8 / Montag, 03.08.2009 / Cannes – Nimes (4h)

11.00 Ich stehe langsam mal auf, gehe einkaufen, stelle einen Blumenstrauss für meine Gastmutter zusammen und dann heissts wieder adeeee Cannes.

Die Landschaft ist wirklich schön, herrliche Buchten. Im Bus zur Jugendherberge in Nimes treffe ich 3 Kanadierinnen, wir reden im Bus Französisch und Englisch, nach dem Einkaufen trennen sich die Wege wieder. Leider ist kein Bett mehr frei, so werde ich die Nacht im 1-Mann-Zelt verbringen. Jetzt bin ich froh um Mätteli und Schlafsack!

Ich bin mir mittlerweile nicht mehr so ganz sicher, ob es Sinn macht, den ganzen langen Weg nach Lissabon zu gehen. Auch in Frankreich gibt es noch total viel zu sehen. Morgen schaue ich mir erstmal Nimes an, den Nachmittag möchte ich in Montpellier verbringen, und dann den Abend am Strand unterhalb von Perpignan.

Später am Abend treffe ich dann die Kanadierinnen wieder.

Tag 9 / Dienstag, 04.08.2009 / Nimes – Montpellier – Cerbère (3h im Zug)

Ich mache mich wieder relativ früh auf den Weg, in Nimes gibt es einige Ruinen aus der Römerzeit zu sehen. Zum Beispiel sehe ich hier das Ende vom Äquadukt vom Pont du Gard 50km entfernt, wo ich letztes Jahr schon war. Das Äquadukt hat eine Neigung von 24cm/km.. unglaublich. Ein alter Mann spricht mich dort an und wir reden ein wenig. Ich gehe noch im La Tour Magna hoch (Aussicht auf die Stadt), das ist aber nicht so beeindruckend. Im Zentrum gibt es einen Tempel mit einer 3D-Show, das beste aber ist sicher die römische Arena (Amphitheater).

Arènes de Nîmes

Die 3 Stunden Aufenthalt am Nachmittag in Montpellier verbringe ich im Park gegenüber vom Bahnhof lesend und schlafend. Es gibt total viele Bettler im Park, die jeden ansprechen und einen Zettel mit englischem Text zeigen. 😉 Ich gebe einem etwa 17-Jährigen die Hälfte meines Fischburgers (mir war ohnehin der Appetit vergangen, grins). Später beobachte ich, wie derselbe Typ seine Nummer wiederholt und behauptet, seit 2 Tagen nichts gegessen zu haben.
Ansonsten scheint es eine gemütliche Stadt mit gemütlichen Leuten zu sein. Ist ja bekannt für die vielen Studenten.

Anschliessend verpasse ich beinahe den Zug, weil ich auf dem richtigen Perron, aber beim falschen Gleis warte 🙂

Bucht in Cerbère

Nun sollte endlich mein kleiner Traum vom Schlafen am Meer wahr werden. Zwischen Perpignan und dem Grenzort zu Spanien, Cerbère, sollte sich etwas finden lassen. Dummerweise bin ich im letzten Zug unterwegs, ich könnte also gar nicht mehr zurückfahren, wenn ich was nettes sehen würde 🙂 Schlussendlich steige ich am Terminus Cerbère aus – Volltreffer! Gleich im Ort gibts eine schöne Bucht, ich nehme erstmal ein Bad im Meer. Auf dem Floss im Meer treffe ich 4 Türken, aber zum Reden ist die Sprachbarriere dann doch zu gross (oder das Interesse zu klein :)).

Anschliessend erkunde ich die Gegend nach einem geeigneten Schlafplatz. Ich treffe 2 Italiener, die mit dem Zelt unterwegs sind und mich vor Moskitos warnen (sie seien bereits am Strand in Cannes verstochen worden).

Znacht in Cerbère

Ich lasse mich davon nicht beirren, und koche erstmal Teigwaren + Ersbli und Rüebli. In der Pringlesdose lassen sich also tatsächlich Teigwaren machen 😀

Ich geniesse die Ruhe und Natur am Meer, und lege mich dann schlafen.
Und da fängt das Unglück an.

Ich höre, wie die Moskitos herumschwirren, kann mich aber nicht im Schlafsack verstecken, weil es viel zu heiss ist. Ich werde dauernd gestochen. Fahre ich mir einmal über den Arm, hängen ein paar zerdrückte Moskitos dran.

Nach einer halben Stunde packe ich all meine Sachen und ziehe 300m landeinwärts, weg vom Meer. Probeweise lege ich mich auf den Boden – ich höre keine Moskitos. Also packe ich alles nötige aus und versuche es nochmal.
Und 10 Minuten später haben mich die Moskitos aufgespürt! Scheisse!
Ich frage mich ernsthaft, was ich jetzt machen soll.

Ich packe also wieder alles zusammen, gehe durch die Stadt, wo tatsächlich um 1 Uhr noch Boules gespielt wird, und schlussendlich zum Bahnhof. Der ist natürlich geschlossen. Dort treffe ich auf 2 Franzosen oder Algerier, die mir nicht so geheuer sind. Gleich hinter dem Bahnhof treffe ich aber auf 2 Brasilianer und 2 Kanadierinnen, die alle den Zug nach Paris verpasst haben und nun auf den nächsten am Morgen warten. 2 von ihnen sind schon echt zugekifft. Einer sitzt auf den Scherben eines Bierglases, das er als Andenken gekauft hatte. Es wird eine üble Nacht, mit wenig und unbequemem Schlaf.

Tag 10 / Mittwoch, 05.08.2009 / Cerbère – Perpignan – Latour-de-Carol – Toulouse – Bordeaux

Petit Train Jaune

Morgens um 7 nehme ich den Zug nach Perpignan, und ziehe mir da erstmal ein Cola und ein Pain au Chocolat rein. Ich bin so übelst verpennt. Dann gehts weiter nach Villefranche/Vernets-les-Bains, ich kann die Augen keine 5 Minuten offen halten. Anschliessend steige ich in den petit train jaune, in dem Panoramazug folgt eine dreistündige Fahrt in den Pyrenäen. Die Dörfer unterwegs erinnern mich an Schweizer Bergdörfer. Bei jedem Halt wird die Hitze im offenen Panoramawagen unerträglich. Auch hier nicke ich immer wieder ein. Im vollen Panoramawagen ist mir das ja schon ein wenig peinlich 😀

In Latour-de-Carol gibt es offenbar nicht viel zu sehen, ich nehme gleich den Anschlusszug nach Toulouse. Im Zug wird eine Zollkontrolle durchgeführt. Woher ich komme und wohin ich gehe? Wie lange ich in Toulouse bleiben wolle? Ich erläre der Dame, dass ich eine Interrailreise mache, und nichts so genau festgelegt ist, spontan halt. Schlussendlich will sie meinen Rucksack dann gar nicht mehr ansehen. Schliesslich bin ich erst noch Schweizer 😀

Es werden fast 10 Franzosen beim Schmuggel von Alkohol und Zigarretten erwischt. Die müssen alle bei mir Platz nehmen. Es schimpfen alle, aber irgendwie finden sie’s doch lustig 😀

Um 17 Uhr erreichen wir Toulouse. Ich rufe die Jugendherberge an, und erfahre, dass man mindestens 2 Nächte bleiben müsste. Das ist mir zu viel. Ich fahre daher weiter nach Bordeaux. Noch unterwegs rufe ich in der Jugendherberge Bordeaux an, die ist voll. Während der Fahrt bereue ich, nicht in Toulouse geblieben zu sein. Dann hätte ich jetzt den Platz zum Schlafen auf sicher gehabt. Es wird stressig, gegen 21 Uhr noch eine Unterkunft zu finden. Zudem bin ich saumüde und schlafe immer wieder ein.

Aber das Glück ist auf meiner Seite. Am Bahnhof treffe ich Anna aus Amsterdam. Sie ist auch schon länger unterwegs und wartet auf ihre Kolleginnen, die sie mit dem Auto abholen sollten. Die hatten aber eine Autopanne, und eventuell werden alle in Bordeaux übernachten. Wir streifen gemeinsam umher, wir finden aber nur Hotels mit astronomisch hohen Preisen. Ich will keine 60 Euro zahlen! Gegen 22 Uhr entscheide mich, nun halt mal 45 Euro im 2* Hotel hinzulegen. Ich bin erstmal erleichtert und nach dem Duschen fühle ich mich wieder richtig wach. Ich verbringe den Rest des Abends mit Anna, bis dann in der Nacht ihre Kolleginnen eintreffen.

Tag 11 / Donnerstag, 06.08.2009 / Bordeaux

Als erstes verlängere ich am Morgen. Schon wieder 45 Euro. Aber ein bisschen Luxus will ich mir nach der Moskitonacht gönnen.

Ich gehe dann direkt zum Bahnhof, ich will ja nach Lissabon. Zuerst schaut es ganz schlecht aus (keine Plätze zum Interrailtarif), ich gehe ratlos davon. Was bleibt mir übrig? Ich stehe nochmal an, und kriege schlussendlich den Zug am Sonntag. 27 Euro. Topp! Bleibe ich halt noch einige Tage in Frankreich.

Schon nach der ersten Fahrt finde ich mein Tagesticket fürs Tram nicht mehr – neues kaufen, macht dann wieder minus 4 Euro. Heieiei.

Grand Théâtre de Bordeaux

Im Tram treffe ich auf eine Frau, die an der Uni Austauschstudenten betreut. Sie gibt mir einige Tipps. Ich schaue mir einige Sehenswürdigkeiten an, bevor ich ein Internetcafe für 1 Euro die Stunde finde. Wow. Ich buche 3 Nächte in Lissabon und Samstagnacht in der JH in Biarritz. Für Freitagnacht ist es online bereits zu spät, ich rufe dann später an. Nach einiger Zeit am Telefon merken wir, dass wir beide Deutsch sprechen 🙂

Später am Nachmittag bleibt mir nicht mehr viel Zeit. Am Abend wird es echt kühl, es hat in der Umgebung geregnet. Ich ziehe nochmal los, um Bordeaux by night auf Foto festzuhalten.

So nebenbei frage ich mich, warum ich zwei Tage nach DEM Abend noch 1000 neue Moskitostiche finde. Die schmerzen erst jetzt. AAAAAHH!

Tag 12 / Freitag, 07.08.2009 / Bordeaux – Arcachon – Facture – Biarritz (3h im Zug)

La Dune du Pyla

Ich fahre am Morgen nach Arcachon, wo ich ein Fahrrad miete und damit zu la Dune du Pyla fahre. Diese 3 Kilometer lange und über 100m hohe Sanddüne ist echt beeindruckend. Hier sehe ich viele Gleitschirmflieger und einige Sandboarder. Auf dem Rückweg treffe ich 2 deutsche Tramper, die in einer Woche eine riesige Strecke zurückgelegt haben. Wow, Trampen funktioniert immer noch.

Gegen Abend nehme ich den Zug nach Biarritz. Die Jugendherberge ist ziemlich schlecht, wirklich eine Enttäuschung. Ich finde niemanden, mit dem ich reden kann (in der Jugendherberge wimmelt es nur so von jungen Franzosen), und gehe früh ins Bett. Ein wenig Party wie in Florenz wäre jetzt nicht übel gewesen!!

Tag 13 / Samstag, 08.08.2009 / Biarritz

Biarritz

Nach 10 Stunden Schlaf fühle ich mich endlich wieder fit. Es ist bewölkt, später wird es leicht regnen. Ich weiss nicht so genau was machen, schaue mir den Strand und die Stadt etwas an, besuche den Rocher de la Vierge. Für die Zugfahrt nach Lissabon besorge ich mir deutschsprachige Presse. Zum Zeitvertrieb gehe ich an dem Wochenende 3x ins Kino! Im Nachtbus wird dann gesungen und gegrölt, der Chauffeur hat nicht so Freude, ich finds toll.

Tag 14 / Sonntag, 09.08.2009 / Biarritz – Irun – Lissabon

Ich kann nur bis 9 Uhr schlafen. Ich komme kurz mit 2 Luzernern ins Gespräch, die hier 2 Wochen Surfferien machen. Wieder zum Zeitvertrieb besuche ich das kleine Schoggimuseum, bevor ich den Strand entlang zum Zentrum gehe. Nach dem Kino sitze ich an der Promenade, und habe noch 3 Stunden Zeit, bis endlich der Zug nach Lissabon fährt. Biarritz und das schlechte Wetter werde ich echt nicht vermissen.

Später, im Nachtzug, treffe ich 2 deutsche Interrailer, Matthias und Andreas, mit denen ich den Abend verbringe. Sie können Portugiesisch und Spanisch und waren mal ein Semester in Brasilien/Ecuador.

Jetzt bricht die dritte Interrailwoche an!

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