USA #5: Thanksgiving Break / Las Vegas und National Parks

Endlich war sie da, die lang erwartete Thanksgiving-Woche. Die Uni blieb dank Thanksgiving eine Woche geschlossen und ermöglichte mir so einen weiteren Road Trip. Ich war gut eine Woche (von Freitag bis Samstag) unterwegs. Insgesamt bin ich ganze 3000 Kilometer gefahren!

Das erste Wochenende verbrachte ich mit 2 Mitstudenten in Las Vegas, ab Montag war ich dann alleine in den Nationalparks unterwegs. Es sollte eine der besten Wochen in den USA werden!

Das Wochenende in Las Vegas lass ich in dem Artikel hier auch gleich mal weg, denn: What happens in Vegas, stays in Vegas.

Montag, 21. November: Zion National Park

Ich machte mich also am Montagmorgen auf den Weg zum Zion National Park in Utah. Ich fuhr bis Virgin (der Ort heisst wirklich so), und bog da auf eine unscheinbare Nebenstrasse ab: Auf die Kolob Terrace Road. Ab da war die Landschaft sehr abwechslungsreich, ich gewann auch immer mehr an Höhe, bis ich bei etwa 2500m über Meer gelandet war.

Zu Beginn lag nur spärlich Schnee neben der Strasse, dann wurde es immer mehr. Ich war fast alleine unterwegs, einmal standen sogar Hirsche friedlich auf der Strasse.

Steckengeblieben im Schnee

Nach gut einer Stunde auf der Terrace Road bog ich ab Richtung Lava Point, einem Aussichtspunkt. Auf der Strasse lag richtig dick Schnee. Ich zögerte kurz, bevor ich einen Hang herunterfuhr – ein Fehler! Kurz darauf drehten meine Räder durch, als es nach der nächsten Kurve wieder bergauf ging. Ich musste wenden und ahnte schon Böses… Auch am anderen Hang drehten meine Räder wieder durch, und nach einigen aussichtslosen Versuchen parkte ich mein Auto in der Senke.

Ich zog mir warme Kleider über und machte mich zu Fuss auf den Weg zurück zur Terrace Road. Ich hätte wahrscheinlich gar nicht auf Schnee fahren dürfen mit dem Mietwagen, die Roadside Assistance der Mietwagenfirma dürfte wohl ein Vermögen kosten, und überhaupt, in dieser gottverlassenen Gegend könnte es ewig dauern, bis die mich abschleppten…

Nach vielleicht 2 Kilometern war ich zurück auf der Strasse und hatte Glück: Nach wenigen Minuten kam ein Pickup angefahren. Der konnte dann mein Auto aus der Senke ziehen.

Nach diesem Erlebnis hatte ich erstmal genug von irgendwelchen Abenteuern im Schnee und machte mich auf den Rückweg nach Virgin. Die Landschaft war auf jeden Fall richtig schön mit all dem Schnee, und es herrschte eine einzigartige Stille.

Unterwegs auf dem Scenic Highway 9 in Richtung Zion Canyon holte ich mir erst mal einen heissen Tee. Kurz darauf war ich beim Eingang zum Park. Ich zahlte 80 Dollar für den Jahrespass für alle National Parks in den USA. Die Blätter an den Bäumen waren noch herbstlich gelb-orange. Ganz so aufregend war dieser Teil des Parks aber nicht mehr.

Ich bin dann gegen 19 Uhr in Hatch angekommen, ein kleines Nest im Nirgendwo. Die Strassen waren wie ausgestorben und spärlich beleuchtet. Mein Motel, Hatch Station, war günstig und komfortabel. Ich hab dann im Cowboy-Restaurant 2 Meilen weiter zu Abend gegessen (ich war der einzige Gast), und danach zurück im Motel den nächsten Tag geplant.

Dienstag, 22. November: Bryce Canyon NP, Capitol Reef NP

Welche Überraschung am nächsten Morgen! Bei einem Blick aus dem Fenster zeigte sich erst wo ich gelandet war: In einer grossen Ebene, die Sonne schien, Pferde grasten in der Ferne, alles war von Frost bedeckt, und es war gerade mal 27 Grad Fahrenheit „warm“. Und dann diese Stille!

Nach dem ich mit warmem Wasser den Frost von meiner Windschutzscheibe losgeworden war, fuhr ich weiter Richtung Bryce Canyon. Unterwegs stoppte ich kurz beim Red Rock Canyon – es war nett, aber da sollte noch viel Beeindruckenderes kommen.

Im Bryce Canyon NP führt eine einzige gerade Strasse in den Park, die dann konstant an Höhe gewinnt, bis auf rund 2900m. Unterwegs gibt’s viele Stopps (Aussichtspunkte), mal direkt an der Strasse, mal 5-10 Minuten zu Fuss vom Parkplatz. Die Aussicht und die merkwürdigen Felsformationen waren echt sehenswert.

An einem der Aussichtspunkte kam ich mit einem Deutschen ins Gespräch, der schon über 25 Jahre in den USA wohnt. Er arbeitete vor Ewigkeiten mal für eine Schweizer Zementfirma und kannte die Schweiz deshalb ganz gut. Ich habe mich mit ihnen ein wenig über die anderen National Parks in den USA ausgetauscht.

Für die Trails hatte ich weder Zeit noch das richtige Schuhwerk (durch den Schnee war alles matschig und rutschig). Ich habe nur den kleinen Trail vom Sunset zum Sunrise Point gemacht. Anscheinend waren an dem Tag auch Bären unterwegs (auf den längeren Trails) – tja, ich habe keine gesehen, schade!

Bald darauf ging die Fahrt weiter. In Escalante wollte ich eigentlich versteinerte Bäume ansehen, die im nächsten Park aber nicht gefunden (es war auch niemand da..). In Boulder besuchte ich das Anasazi-Museum mit den rekonstruierten Häusern. Die Anasazi sind Ureinwohner aus dieser Gegend. Die Strassen unterwegs waren lang und ausladend, mal fuhr ich auf einem Grat wo es links und rechts nur Felsen gab, mal zwischen Tannen wie zu Hause auf einer Bergstrasse.

Gegen 16.30 Uhr kam ich im Capitol Reef National Park an, und konnte den Park gerade noch so eine Dreiviertelstunde bei Tageslicht ansehen, danach war Schluss. Anschliessend fuhr ich weiter nach Moab, das waren nochmal 3-4 Stunden mit dem Auto. Unterwegs war ich oft alleine auf der Strasse. Auf einer der Strassen sah ich in 60 Kilometern gerade mal ein einziges Auto.

Das Hostel in Moab „Lazy Lizard“ war ziemlich lausig. Die meisten Gäste waren so um die 30-40 und Amerikaner. Mir schien es so, als hätten sich hier Penner ein Winterquartier eingerichtet 🙂 Eine Übernachtung kostet auch nur 9 Dollar. Ich wollte aber mit den Typen hier auf keinen Fall ein Zimmer teilen und hab dann für rund 25 Dollar ein eigenes gekriegt (im Prinzip ein Hostel-Mehrbettzimmer zur Alleinbenutzung…).

Mittwoch, 23. November: Arches NP

Als nächstes stand der Arches NP auf meiner Liste. Da gibt es jede Menge Felsbögen zu sehen, in allen Grössen und Formationen. Hier verbrachte ich einen ganzen Tag, mit vielen kleinen Trails zwischendurch. Den Dead Horse Point State Park nebenan liess ich weg, ich wollte nicht dauernd von Park zu Park hetzen.

Insgesamt fand ich den Arches NP allerdings weniger spannend als die ersten beiden (Zion und Bryce). Um ungefähr 18 Uhr war ich bereits in Blanding, im Four Corner’s Inn Motel. Auch diese Stadt war nachts wie ausgestorben und dunkel, und man sah wieder die Sterne funkeln.

Donnerstag, 24. November: Monument Valley, Ankunft beim Grand Canyon

Seit Moab war ich sozusagen wieder auf der Rückfahrt nach Fullerton. Die Strecke heute führte zum Monument Valley und dann zum Grand Canyon, in die Red Feather Lodge in Tusayan.

Das Monument Valley war auch ganz interessant, obwohl es im Prinzip nur das (kleine) Museum und diese grossen roten Felsen zu sehen gibt. Die Rundstrasse hat mein Auto dann zum Glück auch überlebt, obwohl die Sand- und Felspiste echt ne Herausforderung für sich war. Hier wäre ein SUV echt nicht schlecht gewesen!

Kurz darauf gings auch schon weiter. In Tuba City habe ich einen Zwischenstopp gemacht, weil mein Account bei der Bank of America ins Minus geraten war und ich Geld einzahlen wollte. Da findet man also den einzigen ATM dieser Bank im Umkreis von mindestens 60 Meilen (100 Kilometer), oder eher noch mehr, und was dann? Ausser Betrieb!

Ich war dann rechtzeitig zum Sonnenuntergang beim Grand Canyon, ganz im Osten bei diesem Aussichtsturm.

Freitag, 25. November: Grand Canyon

So ganz ohne Unterlagen und nur aus dem Kopf fällt mir zum Grand Canyon eigentlich nicht mehr viel ein, ausser dass der Canyon echt riiesig ist und man die Dimensionen nur erahnen kann. Er ist über 400 Kilometer lang und an der breitesten Stelle 14 Kilometer breit. Zum Colorado River geht es über 1500 oder 1800 Meter tief runter.

Am Morgen wars gerade mal 23 Grad Fahrenheit (-5 Grad Celsius). Ausgehend vom Amphitheatre beim Parkplatz bin ich während 4-5 Stunden zu Fuss von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt gewandert, und habe dann für die letzten ganz im Westen den Shuttlebus benutzt. Unterwegs gibt es jede Menge Infotafeln und ein Museum. Wenn ich den Grand Canyon wieder einmal besuche (und mehr Zeit hätte), würde ich eine Wanderung in den Canyon hinunter machen.

Später am Nachmittag habe ich den kostenlosen Film im Visitor Center geschaut, und gegen Abend war ich in Tusayan im IMAX-Kino, und habe mir den Film auch noch angeschaut. Um 20 Uhr war ich wieder zurück beim Grand Canyon für die Stargazing Tour. Ein Park Ranger hat uns etwas über Sterne und Planeten am Nachthimmel, aber auch diverse Anekdoten aus dem Rangeralltag erzählt. Der Himmel war voller Sterne und auch die Milchstrasse hat man richtig gut gesehen.

Samstag, 26. November: 760 Kilometer nach Fullerton

Ich hatte mich entschlossen, 2 Tage früher als geplant nach Fullerton zurückzukehren, weil ich noch einige Arbeiten abzuliefern hatte und eine Prüfung auf mich wartete.

Der Tag verlief eigentlich brutal ereignislos… Nach 5 Stunden Autofahren habe ich beim Outlet Center in Barstow eine längere spontane Pause eingelegt. Ich wusste nicht, dass es da ein Outlet Center gibt, habe mich aber mit diversen Kleidern eingedeckt 🙂 Am Tag nach Thanksgiving (Freitag) findet jeweils der „Black Friday“-Ausverkauf statt. Im Outlet Center waren die Preise am ganzen Wochenende heruntergesetzt.

Danach ging es noch einmal rund 2 Stunden weiter. Der Verkehr in der Nähe Los Angeles war echt übel im Vergleich zu den leeren Strassen, an die ich mich mittlerweile gewöhnt hatte.

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