10 Tage in Madeira

Ich komme gerade von 10 Tagen in Madeira zurück und bin schlicht begeistert. Hier erfahrt ihr mehr über meine Erlebnisse, ergänzt durch ein paar Tipps.

(Foto-Galerie: Ganz unten)

Vorgeschichte

Als die Airline Edelweiss vor einem Jahr mit einem Foto für einen Flug nach Madeira warb, war mein Interesse geweckt. Im Frühling liess ich mich dann durch die Google Bildersuche inspirieren und die Sache war klar. Wer kann bei der Mischung aus Sonne, grüner Insel, Palmen und Meer schon widerstehen?!

Madeira gehört zu Portugal und liegt weit aussen im Atlantik auf der Höhe von Marokko. Auf Google Maps anschauen

Und so war ich Mitte September via Lissabon auf dem Weg nach Madeira, wo ich die ersten 3 Nächte im 29 Madeira Hostel in Funchal gebucht hatte. Funchal lässt sich in 1-2 Tagen erkunden. Speziell gefallen hat mir die Seilbahnfahrt nach Monte, durch die man einen guten (Über)Blick über die Stadt erhält. Die Rückfahrt mit der 2. Seilbahn zum botanischen Garten war leider wegen den verheerenden Waldbränden vom August nicht möglich. Die verbrannten Bäume und einige ausgebrannte Häuser waren deutlich sichtbar.

Von den übrigen Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise dem botanischen Garten, der «Madeira Film Experience» und vom Fort am Meer war ich eher enttäuscht. Alles kein Grund, nach Madeira zu reisen! Wer etwas über die Weinproduktion und -geschichte lernen möchte, kann eine Führung in der Blandy’s Winelodge mitmachen. Und wer sich für Fussball interessiert, kann natürlich das Museum über Cristiano Ronaldo besuchen (er stammt aus Madeira!).

Dem Hörensagen nach soll das Restaurant Jaquet neben Markt sehr gut sein. Leider ist es samstagabends und sonntags geschlossen.

Samstagnacht war ich mit einigen vom Hostel im Vespas Club, es wird geraucht und Oropax sind zu empfehlen, aber es war definitiv klasse!

Am Sonntag sind wir dann ganze 6 Stunden der Levada do Caldeirão Verde und im Caldeirão do Inferno («Höllenkessel») entlanggewandert.

Levadas sind Bewässerungskanäle, die in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten mühsam in den Felsen gehauen wurden. Sie bringen das Wasser von den Bergen auf die Felder und sind ein Grund für die fruchtbare und grüne Landschaft. In der Regel kann man nebst jeder Levada gut zu Fuss gehen, manchmal gesichert durch ein Geländer, manchmal ohne. Verschiedene Levadas führen auch durch künstliche Tunnels, die man am besten mit einer Stirnlampe begeht. Definitiv ein Highlight!

Am Montag habe ich bei Europcar das Mietauto abgeholt, welches ich während 7 Tagen bis zur Abreise behielt. Damit ging es zuerst zum Eira do Serrado mit einer genialen Sicht über das Curral das Freiras (Nonnental). Das Nonnental selbst war für mich etwas zu sehr auf Tourismus getrimmt. Und dass mir für das Kastanienbrot 5 Euro verrechnet wurden, werde ich dem elenden Restaurant nicht verzeihen. 🙂 (normal sind 1-2 Euro für ein Bolo de Caco, dem typischen (Fladen)Brot mit Knoblauchbutter)

Seit kurzer Zeit gibt es eine noch fast unbenutzte, steile und kurvige Verbindungsstrasse zwischen dem Curral das Freiras/Eira do Serrado und dem Pico do Arieiro – dem 3.-höchsten Berg Madeiras. Die Strasse kann ich absolut empfehlen! Ich hatte innert kürzester Zeit eine abwechselnde Mischung aus Sonne und Wolken (+ zähem Nebel), die dem ganzen einen mystischen Touch verliehen. Beim Miradouro do Paredão sollte man einen kurzen Stopp einlegen.

Auch empfehlen möchte ich die Wanderung zwischen dem Pico do Arieiro und dem Pico Ruivo. Hier habe ich zwar nur ein Teilstück gemacht, bevor ich umgedreht bin – allein der Weg und die Aussicht auf die Täler links und rechts sind an einem schönen Tag atemberaubend! Man sagt, am Morgen sei das Wetter am besten.

Ich fuhr dann immer weiter in den Westen und habe mir unterwegs noch einige Küstendörfer angeschaut und wenn möglich die alten Küstenstrassen statt den neuen Tunnels benutzt. Strassentunnels sind langweilig! Entlang der Küste gab’s hingegen Sonnenschein, kleine Wasserfälle, die aufs Auto niederprasselten, kleine Bananenplantagen entlang der Strasse und und und … Selber schuld, wer da keine Fotostopps einlegt!

Man sollte sich auch die Zeit für den Skywalk am Cabo Girao nehmen.

Auch das Hostel für die nächsten 3 Nächte möchte ich empfehlen: Madeira Native Motion. Es ist etwas schwer zu finden, aber es ist ruhig, modern und die Besitzerin Sarah ist motiviert und hilfsbereit. Ursprünglich war der Pool vor dem Hostel für die Buchung ausschlaggebend, benutzt habe ich ihn dann aber doch nie 🙂

In der Nähe des Hostels gibt es übrigens eine leckere Pastelaria / Bäckerei. Sarah weiss wo.

Am nächsten Morgen dann eine unschöne Überraschung: Mein Auto empfing mich mit der Meldung «Correct tire pressure». Nach einem Umweg über die nächste Tankstelle/Garage war dann aber auch das behoben. Warum der Reifendruck über Nacht nachgelassen hatte, verstehe ich auch heute noch nicht.

An dem Morgen habe ich dann die allgemein beliebte Wanderung «Levada das 25 Fontes/Levada do Risco» bei Rabaçal gemacht. Die Strasse dorthin führt über die Hochebene «Paúl da Serra», die mir extrem gut gefiel. Wieder ein Highlight! Südlich der Hochebene waren zudem grosse Gebiete komplett verbrannt, was mich zugegebenermassen auch faszinierte und beeindruckte. Wie heftig mussten die Waldbrände gewütet haben! Und wie schnell sich die Natur zu erholen beginnt – bereits waren wieder die ersten grünen Pflanzen sichtbar!

Mein toller Reiseführer empfahl mir übrigens einen anderen Rückweg von den 25 Quellen (via Levada da Rocha Vermelha, wie ich später herausfand). Kurz darauf hatte ich mich verirrt, und hatte keine Ahnung mehr, wo ich langgehen sollte. Zurück wollte ich aber auch auf keinen Fall (da hätte ich wieder steil bergauf wandern müssen).

Nach einem leichten Anflug von Panik und Frust fiel mir zum Glück ein, dass ich mich ja mit der Open Street Map App (OsmAnd www.osmand.net) orientieren könnte. Tatsächlich war kurz darauf wieder alles im Lot und ich musste nur noch die schweisstreibenden Höhenmeter über verwachsene, dornige Wege hinter mich bringen…

Die Fahrt ging dann weiter über die ER209 nach Ribeira da Janela und nach Seixal. Hier habe ich in den (fast) natürlichen Pools gebadet. Es scheint, als würden hier vor allem Einheimische herkommen – ganz im Gegensatz zu den Pools bei Porto Moniz, die fast etwas überfüllt waren.

Zurück ging es der Küste entlang bis São Vicente, über die alte Passstrasse hinauf zum Encumeada-Pass und von dort wieder über Paúl da Serra zurück zum Hostel. Auf der Hochebene sind gleich 2x kleine süsse Hasen über die Strasse gehoppelt 🙂

Im Hostel lernte ich übrigens eine Deutsche und 2 Belgierinnen kennen, die ich dann jeweils an einer ganz anderen Ecke auf der Insel zufällig wiedergesehen habe. Witzig!

Am nächsten Tag bin ich der Westküste von Faja Da Ovelha bis Porto Moniz gefolgt. Insgesamt eher wenig spektakulär, spannend war die Fahrt mit der Seilbahn bei Achadas Da Cruz, mit der es innert 5 Minuten etwa 450 Meter in die Tiefe geht.

Wenn es trocken ist, kann ich die steile Fahrt hinunter nach Porto Moniz über den Caminho da Ladeira empfehlen. Auf halber Höhe gibt es einen schönen Aussichtspunkt «Miradouro do Redondo» mit super Blick auf Porto Moniz. Von den Tour-Anbietern mit ihren Geländewagen wurde mir allerdings vom Befahren der steilen Strasse unterhalb des Aussichtspunkts abgeraten – aber es geht. Langsam fahren!

Auch in Porto Moniz gibt’s meiner Meinung nach wenig zu sehen. Bei den «Natural Swimming Pools» kann man aber locker einen entspannten Nachmittag verbringen. Und so habe ich es auch gemacht!

Lecker gegessen habe ich im Restaurant des Aquanatura Hotels, oberhalb der Swimming Pools. Die Wellen wurden indes immer grösser, und einige Poolbesucher, die sich zu weit vorgewagt hatten, wurden denn auch tatsächlich von den Füssen geholt 🙂

Am Donnerstag fuhr ich einmal mehr über die Hochebene zum Encumeada-Pass, und besuchte dann unten in São Vicente das «Vulkanologiezentrum» (Grutas São Vicente). Wer sich dafür interessiert, findet die begehbaren Lavaröhren sicher spannend. Die nachfolgenden Filme in der Ausstellung sind allerdings so richtig schlecht gemacht.

Mit einigen Stopps bin ich über die ER101 zuerst nach Santana und dann weiter nach Porto da Cruz gefahren. Hier blieb ich für 2 Nächte im Madeira Surf Camp (ursprünglich hatte ich eine Lektion im Wellensurfen geplant). Abgesehen vom Adlerfelsen, einigen Restaurants und der Zuckerrohrfabrik (die nur im Frühling in Betrieb ist), gibt es hier nichts zu sehen.

Am Freitag fuhr ich nach Achada da Teixeira, von wo ich die kurze Wanderung zum Pico Ruivo auf 1862 M.ü.M. in Angriff nahm. Zu Beginn hat es bereits geregnet, und es blieb bewölkt. Auch auf der Spitze des höchsten Berges war die Aussicht nur wenig besser.

Es ging also zurück und ein Tal weiter zum Ribeiro Frio bzw. zur dortigen Forellenzucht. Die Forelle auf dem Teller war echt lecker! 🙂 Dazu gehört natürlich ein Brisa Maracujà. Den Abstecher zum Aussichtspunkt «Balcões» hätte ich mir auch sparen können, weil die Bergspitzen in dichte Wolken gehüllt waren. Bei schönem Wetter wäre die Aussicht aber bestimmt super.

Am späteren Nachmittag war ich dann noch im tropischen Garten in Funchal, und habe von dort die Extreme Sailing Series (mit dem Schweizer Team Alinghi) beobachtet. Mit den anderen Hostelgästen verbrachte ich einen lustigen Abend im Restaurant A Pipa.

Am Samstag habe ich nochmal die Wanderung von Achada da Teixeira zum Pico Ruivo gewagt – und siehe da – die Sicht war einwandfrei! Dafür hat sich der nochmalige Aufstieg also echt gelohnt! Am Nachmittag stand dann als Letztes noch die Wanderung auf der kargen und sonnenexponierten Halbinsel «Ponta de São Lourenço» auf dem Programm. Hier zeigt sich eine ganz andere Landschaft als auf dem Rest der Insel.

Schlussendlich habe ich mir noch 2 Nächte im Galomar Resort gegönnt, bevor es dann am Montag nach Hause ging.  Hier wollte ich ursprünglich am Samstag mit Manta Diving tauchen gehen, schliesslich hat das Hotel via Lift direkten Zugang zum Unterwasser-Naturreservat. Allerdings ist mein letzter Tauchgang leider schon 3 Jahre her, und so wäre ein Refreshertauchgang im Pool nötig geworden. Aufs Tauchen habe ich deshalb zugunsten der Wanderungen verzichtet.

Und damit waren 10 super Tage auch schon wieder vorüber!

Ein paar interessante Links:

Absolute Pflichtlektüre für jeden Madeira-Reisenden ist das Buch «Madeira – Die schönsten Levada- und Bergwanderungen. 60 Touren.» von Rolf Goetz.

Und hier noch die Fotos:

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