Indonesien: Sulawesi / Torajaland

Am Abend des 11. November bin ich in Makassar gelandet und dann mit dem Nachtbus gleich ins Torajaland gefahren.

Tag 1:

Ich hatte über Airbnb eine traditionelle Unterkunft in einem Tongkonan-Haus gebucht (Ne‘ Pakku Manja family house). Die Dächer dieser Häuser erinnern ein wenig an umgedrehte Schiffe. Die Gastgeberin, Meyske, war noch etwas schlaftrunken, als ich um ca. 6 Uhr morgens vor der Türe stand. Bei warmem Tee besprach ich mit dem Ojek-Fahrer Jon mögliche Pläne für die nächsten Tage, doch leider überschnitten sich seine Pläne mit meinen 2 bereits gebuchten Übernachtungen.

Da das Zimmer erst gegen 10 Uhr bereit sein würde, fuhren Jon und ich für ein Frühstück zu einem Freund von ihm. Ich hatte etwas Hemmungen, am frühen Sonntagmorgen in ein fremdes Haus reinzutrampen, aber das war offenbar kein Problem. Bald brutzelten fritierte Bananen und Wasser für den Kaffee.

Kaffee und Pisang Goreng – fritierte Bananen

Peri, in dessen Haus ich gerade ass, ist ebenfalls Guide und mit ihm besprach ich den nächsten Plan. Ich wollte die Kosten von etwa 1.5-2 Millionen Rupien für 3 Tage aber unbedingt mit anderen teilen. Er hatte noch 2 andere Interessierte und wollte mir deshalb im Laufe des Tages Bescheid geben, ob es klappt. Ich hörte aber nichts mehr von ihm. Zum Glück, wie sich herausstellen sollte. 

Ich bin nach dem Gespräch zu Fuss von Rantepao zum Homestay gegangen. Das dauerte fast eineinhalb Stunden. Es war aber ein spannender Spaziergang in schöner Landschaft, nur ziemlich heiss!

„Foto Foto!“

Nachdem ich das Zimmer bezogen und mich etwas eingerichtet hatte, ging ich mit Meyske zum Essen in die Stadt. Sie hatte Lust auf „extreme food“. Kurze Zeit später war ich mit ihr in einem Restaurant, vor mir ein Teller mit Hundefleisch. Es hatte sehr viele Knochensplitter daran und es war so scharf, dass man vom Fleisch gar nichts schmeckte. Ob das nun gut oder schlecht war? 

Unterkunft im Gebäude links

Mein Zimmer

Am späteren Nachmittag hat es stark geregnet und ich habe sogar etwas gefroren. Am Abend kamen Marta und Callum (Spanien / Australien) an, die auf dem Landweg unterwegs nach Barcelona sind. Meyske schlug uns einen Plan für die nächsten zwei Tage vor. 

Tag 2:

Meyske hatte uns gestern schon angekündigt, dass ausgerechnet heute vor dem Haus eine Hochzeit stattfinden würde. Wir durften uns in die erste Reihe stellen und beobachteten das Geschehen. Die Frauen hatten je nach Familie andersfarbige Kleider an, die Braut ein weisses Brautkleid wie bei uns. 

Als sich die Hochzeitsgesellschaft an einen anderen Ort begab, fuhren wir mit unseren Rollern zu den Kliff- und Höhlengräbern von Londa. Hier erklärte uns Meyske die Vorstellungen der Toraja über das Afterlife (puja). Die Begräbniszeremonie dauert jeweils drei bis vier Tage. An jedem dieser Tage geschieht etwas anderes. In Kurzform: Am ersten Tag wird der Sarg herumgetragen und das Begräbnis angekündigt, am zweiten Tag werden die Gäste empfangen und Geschenke entgegengenommen, am dritten Tag werden die Tiere geopfert (und verspiesen) und am vierten Tag wird der Sarg zum Grab gebracht. 

Es muss mindestens ein Wasserbüffel geopfert werden, damit die verstorbene Person ins Afterlife transportiert wird. Ein Wasserbüffel kostet hier mindestens 2000 bis 4000 Euro. Das sind dann aber wirklich die günstigen. Die teuersten, die Albino-Büffel mit blauen Augen, kosten um die 80’000 Euro. Im Vorgarten von Meyskes Haus graste während meinem Aufenthalt ein Büffel im Wert von 10’000 Euro. Nebst den Wasserbüffeln werden auch Schweine geschlachtet, um die ganzen Anwesenden zu verpflegen. 

Für die reicheren und höhergestellten Personen werden sogenannte Tau Taus aus Holz angefertigt (Jackfruit-Holz). Das sind Ebenbilder der Verstorbenen und werden in der Nähe des Grabes aufgestellt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man mindestens 24 Wasserbüffel geopfert hat. Ein riesiges Vermögen!! Dazu kommen noch die Kosten von 15 Millionen Rupien für das Tau Tau selbst (rund 1000 Franken).

Die bessergestellten Personen werden möglichst hoch oben „begraben“, z.B. in einer Felswand. Bodengräber gibt es nicht, weil dann die Seele des Verstorbenen im Boden eingesperrt wäre.

Jetzt fragt man sich natürlich, wie diese Leute solche teuren Begräbnisse finanzieren können. Die ganze Verwandtschaft verwendet dafür ihr Erspartes. Je mehr Kinder mit eigenem Einkommen, desto besser. Zudem ist es so, dass Begräbnisse teilweise erst mehrere Jahre nach dem Tod stattfinden. In der Zwischenzeit wird Geld gespart und die Leichen werden mit Formaldehyd behandelt, damit sie nicht verwesen.

Wie gesagt waren wir in Londa, und bestaunten die zahlreichen Särge, Knochen und Schädel und Zigaretten und sonstigen Opfergaben. Ganz offensichtlich gehen die Menschen hier recht entspannt mit dem Thema Tod um.

einige Gräber bei Londa

Tau Taus

Auf dem Weg zum nächsten Highlight besuchten wir noch einmal die Hochzeitsgesellschaft und verfolgten die Zeremonie. Es gab viele Ansprachen, ein paar Tänze und schlussendlich durften wir mit ihnen essen. 

Hier ist nur ein Bruchteil der Leute zu sehen…

Das Brautpaar (in anderen Kleidern)

Der nächste Stopp waren die Höhlengräber von Tampangallo. Das scheinen die ältesten Höhlengräber zu sein. Entsprechend waren die Särge in einem schlechten Zustand.

Tampangallo

ältere Tau Taus

Dann führte uns Meyske zu einem Tongkonan-Haus, in dem die Leichen ihrer Oma und ihres Opas aufbewahrt wurden. Das Begräbnis wird erst im Januar 2018 stattfinden, obwohl ihre Oma bereits vor vier Jahren und Opa vor einigen Monaten verstorben ist. In diesem Haus gibt es 4 Räume, und Meyske erklärte uns die Bedeutung jedes Raumes. Dazu gehört, dass die Häuser immer nach Nord-Süd ausgerichtet sind.

Nächste Station waren die Baby Graves von Kambira. Verstorbene Babies (noch ohne Zähne) wurden früher in Bäumen bestattet. Eine Erklärung ist, dass die Kinder zusammen mit dem Baum gegen Himmel wachsen sollten. Eine andere Erklärung ist, dass es sich um ein temporäres Grab handelt, bis auch die Mutter gestorben war. Erst dann würde die Seele des Kindes ins Afterlife gehen und dort noch einmal von derselben Mutter geboren werden. Sie würde ihr Kind kein 2. Mal verlieren. Diese Tradition wird heute nicht mehr gelebt. 

Baby Graves im Baum

Tag 3:

Heute besuchen wir ein Begräbnis (2. Tag). Das heisst, dass heute die Tiere geopfert beziehungsweise geschlachtet werden. Es sind sehr viele Leute gekommen, für die man extra Unterstände mit Sitzgelegenheiten (Matten) gebaut hat. Es ist warm und viele Leute spielen Karten. 

Was dann geschieht, ist schnell erzählt. Insgesamt werden 4 Wasserbüffel und etwa 15 Schweine getötet. Die Schweine mit einem Stich ins Herz, die Büffel mit einem Kehlenschnitt. Bei den Büffeln spritzt das Blut aus der Kehle, während dem die Luft durch das Loch pfeift und sie sich winden, bis sie zusammenbrechen. Die Schweine quieken schon vorher „wie am Spiess“. Einige Büffel bewegen sich auch mehrere Minuten später noch, bäumen sich sogar noch mehrmals auf. Ein Büffel entleert sich nach dem Tod. Als wäre nichts geschehen, frisst ein Schwein zwischen den toten Büffeln und Artgenossen munter blutbedecktes Gras.

Anschliessend werden die Tiere gehäutet und ausgenommen. Die grossen Stücke werden mit der Machete zerteilt. Es wird alles verwertet. Der Magen des Büffels ist noch voller Gras. Jeder scheint genau zu wissen, was zu tun ist. Nur die hygienischen Bedingungen entsprechen mit Sicherheit nicht unseren gewohnten Standards. 

Weil uns die Zeit davonläuft, entscheiden wir, nicht hier zu essen. Wir gehen direkt weiter zum Wasserbüffel-Markt und zum normalen Markt, wo es unter anderem lokalen Arabica-Kaffee zu kaufen gibt.

Unterwegs in den Norden sehen wir auch einige Megalithen-Gräber. Zudem besuchen wir ein Tongkonan-Haus mit drei Särgen/Leichen. Eine davon wird bereits seit 23 Jahren aufbewahrt. In Kürze werden alle 3 bestattet. Danach besuchen wir noch Lombok Parinding, ein Höhlengrab mit Dutzenden wenn nicht sogar über 100 Särgen und Schädeln. Einige Knochen sind wohl wegen der Feuchtigkeit grün verfärbt.

Lombok Parinding

Wir fahren schlussendlich an Reisterrassen vorbei hinauf zu Batutumonga, wo wir die Aussicht geniessen und etwas essen. Anschliessend geht es im Nebel und bei Regen zu einigen in Fels geschlagenen Steingräbern.

Unten in Rantepao probieren wir dann noch Saraba, ein heisses Ingwer-Getränk mit Milch, Zucker und Eigelb… Zwischendurch fällt der Strom aus und es wird komplett dunkel, bis eine Gaslampe angezündet wird.

Tag 4:

Nach den beiden spannenden Tagen mit Meyske hatte ich den Eindruck, das Wichtigste bereits gesehen zu haben. Auf das klassische Trekking mit Übernachtung verzichtete ich. Wer geht denn bei diesem Klima freiwillig stundenlang wandern? 

Stattdessen fuhr ich mit dem Roller auf eigene Faust umher. Der Weg war das Ziel, wie man so schön sagt. Ich genoss es, ohne Zeitdruck und Programm die Gegend zu erkunden. Im Süden und Westen von Rantepao war ich auf abgelegenen Strassen unterwegs, keine Touristen weit und breit. Viele Bewohner winkten, schauten mir nach, riefen mir etwas hinterher oder lächelten mir einfach nur zu. Eine Frau schenkte mir aus dem fahrenden Lieferwagen eine Frucht, die ich nicht kenne. 

Ist das Kakao?

Eigentlich wollte ich bis Pangala fahren, doch nachdem ich bereits kilometerweit über Gras und rutschige Erde gefahren war, musste ich umkehren. Die Anwohner gaben mir zu verstehen, dass es nicht mehr weitergehe. Und so fuhr ich etwas enttäuscht denselben holprigen und steilen Weg wieder zurück. Die einzige Gefahr sind übrigens Schlaglöcher – es hat nur wenig Verkehr. 

Ich genoss den heutigen Tag sehr! 

Nach einem Zwischenstopp in Rantepao fuhr ich zum Homestay zurück, duschte, packte und verabschiedete mich. Znacht ass ich beim Fussballfeld in Rantepao, wo es diverse Food-Stände gibt. Ich wählte Pouletspiesse und mie goreng (gebratene Nudeln). Auch hier war ich der einzige Tourist, und ein paar Leute wollten mit mir fotografiert werden. 

Um 20.30 fuhr dann auch schon der „Bintang Prima“ Nachtbus nach Makassar ab. Ich habe einen Franken mehr bezahlt und durfte es mir somit in einem Liegebett statt in einem Liegesitz gemütlich machen. Prima!

Ein Kommentar

  • hey reto! hoffe besch guet a dinere nöchste station acho. dini erzählige send mega spannend! nur: obwohl eim s’titelbild vo dim neue bitrag eigetli vorwarnt, hani paar mal leer gschluckt bi dinere beschriebig und fotis vo de opferig… wär mer glaub z’heftig gsi und s’hundefleisch hätti au ned gässe 😀 aber tönt als hättisch en super ziit! be scho gspannt uf din nächste itrag 🙂 lg

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