Indonesien: Java Teil 1 – Jogjakarta, Dieng, Borobudur, Prambanan

Nachdem ich den Morgen noch auf dem Tauchschiff verbracht hatte, lande ich am Abend des 14. Dezember in Yogyakarta auf der Insel Java. Hier will ich mir die Stadt und die Umgebung anschauen, bevor es auf dem Landweg Richtung Bali geht. Aber zuerst einmal geht es mit einer rasanten Töfffahrt zum Hostel.

15. Dezember – Jogjakarta

Am nächsten Tag möchte ich erst einmal die Stadt erkunden. Unterwegs werde ich von einem Essensverkäufer angesprochen, der mich kurz darauf zu einer Batik Painting Kunstausstellung führt. Eine Person erklärt, wie die Bilder entstehen. Die Bilder gefallen mir gut. Er erzählt irgend etwas von Hans Erni, mit dem mal ein Austausch stattgefunden haben soll. Natürlich ist mir bewusst, dass es in dieser Stadt diverse Scams gibt, aber es klingt doch plausibel.

Das nächste Ziel, der (muslimische) Sultanspalast, ist um 11 Uhr bereits wieder geschlossen, wohl weil das Freitagsgebet stattfindet. Unterwegs werde ich wieder in eine Batik-Ausstellung eingeladen. Da muss also doch etwas nicht ganz koscher sein 🙂

Dann gibt es doch noch etwas zu sehen: Das Water Castle ist eine ehemalige Gartenanlage des Sultanspalastes und eine nette Anlage, wenn auch recht verwinkelt. Jaa, und dann werde ich wieder angesprochen, ob ich denn den Loewak-Kaffee schon probiert hätte? Habe ich nicht, und so werde ich in ein Café geführt, das notabene gute Tripadvisor-Rezensionen hat. Mir wird kurz erklärt, wie die Kaffeebohne verarbeitet wird (Fermentation in der Zibetkatze :-)). Zudem wird mir Kaffee serviert und verschiedene abgepackte Kaffeebohnen zum Kauf angeboten. Ich kaufe nichts, doch für den Kaffee soll ich umgerechnet 10 Franken bezahlen. Ich erkläre der Bedienung, dass sie mich hätten vorwarnen müssen und es so oder so zu teuer sei. Ich stehe unvermittelt auf und gehe davon.

Und dann versuche ich, einen Friseur zu finden. Ein Ojek-Fahrer fährt mich von Friseur zu Friseur, doch die meisten haben geschlossen. (Freitag) Schlussendlich klappt es doch noch, und ich kann mit einem alten Facebook-Profilbild erklären, wie ich es gerne hätte. Die Dame schneidet ruckzuck die Haare, das Resultat ist überraschend gut. Das Schneiden inklusive Waschen kostet nicht einmal 2 Franken.

Am späteren Nachmittag, als es regnet, spiele ich mit einigen im Hostel UNO. Um 18 Uhr gibt es vom Hostel aus ein Abendessen, und um halb 9 bin ich schon wieder im Bett.

Der erste Eindruck von Jogjakarta

Water Castle

Luwak Kaffee

16. Dezember – Anreise Dieng-Plateau

Am folgenden Tag soll es in die Umgebung gehen. Als ich kurz vor 7 Uhr an der Reception bereitstehe, erfahre ich, dass mein Shuttlebus statt um 8 erst um 13 Uhr fahren wird. Auf meine Bitte ruft der Hostelmitarbeiter ein anderes Busunternehmen an, und so fahre ich um 7.30 mit einem Ojek zu Rama Sakti Travels. Trivia: Zum ersten Mal in Indonesien werde ich von einer Frau gefahren.

Angekommen beim Busunternehmen erfahre ich, dass der Bus nach Wonosobo bereits ausgebucht ist und der nächste erst um 14 Uhr losfährt. Oh nein, wir hatten doch angerufen! Doch schnell stellt sich heraus, dass ich ja eine Reservation habe und somit um 8 Uhr mitfahren kann. Puhh..

Im Bus sitze ich neben Dinar und Murni, die ebenfalls nach Dieng gehen und auf dem Berg Prau übernachten wollen. Nach einigen Stunden kommen wir am Nachmittag in Dieng an. Es regnet in Strömen. Nach einer Weile wage ich mich trotzdem nach draussen, doch es ist sehr kühl. Unterwegs spricht mich eine Frau an und empfiehlt mir Mie Ongklok zum Znacht, es sei eine lokale Spezialität.

Nach einer Portion Mie Ongklok und einem netten Gespräch mit dem „Kellner“ bin ich um halb 9 bereits wieder im Bett, es ist kalt und gibt hier abends nichts zu tun.

17. Dezember – Dieng Plateau

Die Unterkunft befindet sich auf 2100m. Ich habe die Temperaturen total unterschätzt und friere die ganze Nacht. Weil es so kalt und offenbar bewölkt ist, stehe ich nicht wie geplant um 4 Uhr für den Sonnenaufgang auf, sondern erst gegen 6 Uhr. Ich mache mich rasch auf den Weg zum Gunung Sikunir, wo mich dann doch einige Sonnenstrahlen wärmen. Unterwegs begnegne ich vielen indonesischen Läufer, die an einem 120 km-Lauf von Jogjakarta hierher mitmachen. Und so herrscht am Gunung Sikunir, am Ziel, ein reges Gedränge. Die meisten sind allerdings schon auf dem Rückweg von der Spitze auf 2400m. Ich werde heute trotzdem unzählige Male gebeten für Fotos zu posieren.

Schon bald ziehen Wolken auf und ich mache mich auf den Weg zur nächsten Attraktion, nicht ohne vorher einige Kartoffeln aus lokalem Anbau zu verspeisen, die am Wegrand angeboten werden. Lecker!

Am Krater Kawah Sikidang gibt es brodelnde Pfützen und dampfende Tümpel zu sehen. Zudem liegt der typische Schwefelgeschmack in der Luft. Die vielen Selfie-Plattformen, die es offenbar immer bei den Sehenswürdigkeiten in Indonesien gibt, irritieren mich etwas.

Nachher geht es weiter zum Batu Pandang, wo man eine gute Sicht auf Dieng, 2 Seen und die umliegenden terrassierten Felder hat. Ganz kurz schaue ich noch den Bima-Tempel an, den Arjuna-Komplex überspringe ich.

auf dem Gunung Sikunir

Kartoffeln „us de Region“

Eier kochen im heissen Vulkantümpel

Gegen 10 Uhr (morgens) beginnt es dann zu regnen und ich breche das Sightseeing ab. Die wichtigsten Punkte hab ich gesehen. Zuerst einmal hole ich noch das Frühstück nach – Nasi Goreng Spesial. Lecker!

In der Unterkunft komme ich mit 2 Deutschen ins Gespräch, die gestern im Auto hergefahren wurden und am Nachmittag nach Jogjakarta zurückgehen werden. Für 100’000 Rupien nimmt mich ihr Fahrer mit nach Borobudur. Die Alternative wären lokale Busse – halb so teuer, vielleicht doppelt so lange. Ich muss nicht lange nachdenken.

Auf der Rückfahrt sehe ich mehr von der Landschaft als bei der verregneten Hinfahrt und mein Eindruck bestätigt sich, dass die Gegend bei Sonnenschein sehr schön sein muss.

In Borobudur erkunde ich kurz den Weg zum Tempel, damit ich am nächsten Morgen nicht suchen muss. Aufgrund des einsetzenden Regens verzichte ich auf die Rollermiete und alle Attraktionen in der Umgebung (etwa der Chicken Tempel). Ich verbringe ein paar ruhige Stunden im Homestay, u.a. mit Tagebuch schreiben.

18. Dezember – Borobudur-Tempel

Um 4 Uhr weckt mich der Ruef des Muezzins. Kurz nach 5 Uhr ist es definitiv Zeit aufzustehen und ich mache mich zu Fuss auf den Weg zum Eingang des Tempels. Schon werde ich um ein Selfie gebeten. Punkt 6 Uhr gehen die Türen auf und ich bin der erste – wären da nicht die Handvoll Touristen, die das Sunrise-Ticket gekauft haben und bereits um 4.30 Uhr Einlass erhielten.

Der Borobudur ist einer der weltgrössten buddhistischen Tempel. Er wurde wohl vor über 1000 Jahren erbaut und geriet kurz darauf in Vergessenheit (die meisten Javanesen sind heute Moslems). Erst 1814 wurde er wiederentdeckt. Die Grundfläche beträgt 128×128 Meter und die Höhe 35 Meter. An den Wänden sind rund 2500 Reliefs/Zeichnungen angebracht und es gibt ca. 500 Buddha-Statuen. Es handelt sich nach meinem Wissen um die Nr. 1 Touristenattraktion in Indonesien. Die meisten Besucher sind Indonesier.

In den ersten 30-40 Minuten kann ich den Tempel in Ruhe und bei etwas Sonnenschein erkunden. Danach füllt sich das Gelände (und insbesondere die Spitze rund um die grosse Stupa) mit vielen Schulklassen. Ich werde von den Kindern praktisch im Minutentakt um Selfies gebeten und mir scheint, dass wir Ausländer die grössere Attraktion als der Tempel selbst sind. Ich versuche manchmal, den Schulklassen aus dem Weg zu gehen – aber es ist auch ganz lustig, mit den aufgeregten Kindern zu posieren. Viele Schüler haben offenbar auch die Aufgabe bekommen, einen Ausländer zu interviewen, um Englisch zu üben.

Leider ziehen wie bereits am Vortag in Dieng langsam Wolken auf – die umliegenden Vulkane sieht man immer schlechter. Auch vom nahen Hügel Dagi hat man keine gute Sicht – es ist etwas schade, dass der Tempel von Wald umgeben ist und man so seine Grösse nicht wirklich erfassen kann. Übrigens wurde der ganze Tempel vor einigen Jahrzehnten Stein für Stein auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, um ihn zu restaurieren. Den beiden Museen statte ich ebenfalls einen kurzen Besuch ab. Madagaskar wurde scheinbar von indonesischen Seglern besiedelt, die mit ihren Outrigger-Booten unterwegs waren und u.a. mit Gewürzen handelten.

einige von vielen Stupas

Nach 3 Stunden bin ich durch und gehe zurück zum Homestay. Am Mittag fahre ich mich einem uralten Minibus zurück nach Jogjakarta und verbringe dann etwas Zeit in der riesigen Jogja City Mall. Aber eine Bluetooth Tastatur, die mir das Blogschreiben erleichtern würde, finde ich auch hier nicht.

Ich muss dann kurzfristig das Hostel wechseln, da das bisherige ausgebucht ist. Im Jogjakarta BnB gefällt es mir aber besser. Für den nächsten Tag miete ich einen Roller.

Gegen Abend schlendere ich noch der Malioboro Strasse entlang, und probiere sate ayam (Pouletspiesse), bakpia (Gebäck) und lumpiah ayam (Frühlingsrolle). Auch hier werde werde ich 2x von Schülern angesprochen: „Excuse me, are you busy?“

19. Dezember – Prambanan-Tempel

Auch in dieser Nacht wachte ich immer wieder auf, weil es im Zimmer so kalt war (Klimaanlage lässt grüssen). UmU5 Uhr stieg ich danndnoch ganz schön schlaftrunken auf den Roller. Und es hat sich gelohnt: Kurz vor 6 Uhr treffe ich beim Prambanan-Tempel ein. Da ich gestern beim Borobudur ein Kombi-Ticket gekauft habe, kann ich bereits hinein, obwohl das Ticketverkaufssystem noch nicht bereit ist. Ausser mir ist in den ersten 20-30 Minuten nur ein einziger Tourist anzutreffen. Jackpot! Ich nutze die Gelegenheit, um in Ruhe Fotos zu schiessen. Im Hintergrund ist der Mount Merapi zu sehen. (ein Stratovulkan)

Ich kann praktisch die ganze Anlage ungestört erkunden. Nebst dem Prambanan gibt es noch einige weitere Tempel: Candi Sewu und die 2 kleinen Candi Bubrah und Candi Luwung. Gegen 8 Uhr fahre ich weiter – in einem grossen Bogen durch die Reisfelder und Hügel im Südosten, bis ich zufällig beim Aussichtspunkt Batu Papat vorbeikomme. Die Arbeiter auf den Reisfeldern schauen mir meist erstaunt und neugierig entgegen. Mir dämmert es langsam, wie viel manuelle Arbeit in jedem Reiskorn steckt. Am Candi Ijo fahre ich vorbei, aber den ehemaligen Steinbruch Tebing Breksi besuche ich kurz. Hier gibt es wieder zahlreiche Schilder etc. um für Selfies zu posieren – und in der Distanz sieht man den Prambanan-Tempel. Grundsätzlich bin ich aber der Landschaft wegen hierher gefahren, nicht wegen diesen Sehenswürdigkeiten.

Prambanan!

Hier wird noch richtig gearbeitet!

Anschliessend geht es zu einem Thai-Restaurant, Yam Yam, und da ich daneben eine Gelateria entdecke, gönne ich mir auch gleich noch ein Glace. Um 15 Uhr bin ich zurück im Hostel und dusche und schreibe Tagebuch. Später gibts noch ein Bier mit 2 anderen Reisenden.

20. Dezember – Jogjakarta

Heute konnte ich endlich mal ausschlafen, da ich nichts grosses mehr geplant hatte. Gegen Mittag bin ich zum Fort Vredeburg, das nicht viel hergab. Anschliessend habe ich auf der Terrasse des Hostels an meinem Blog geschrieben. Es regnet den ganzen Nachmittag bis ca 20 Uhr. Zwischendurch gehe ich im „bu yuli“ an der Ecke zur Malioboro Street essen. Dumplings – sehr lecker!

Auf der Terrasse lerne ich auch noch einen Indonesier und eine Spanierin kennen (eine Software Engineer-In). Wir gehen zusammen ins Oxen Free ein Bier trinken. Ein gemütlicher Abschluss für Jogjakarta!

weiter zu Java: Teil 2!

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